EGON KUHN GESCHICHTSWERKSTATT IM FREIZEITHEIM LINDEN e.V.


Arbeitersport in Linden

Begleitveranstaltung zur Ausstellung "Der andere Fußball: 100 Jahre Arbeiterfußball" im Freizeitheim Linden

Art der Veranstaltung: Veranstaltungsreihe und Ausstellung:

Zeitraum: 01. - 30. September 2022

Gesucht werden:

  1. Sportvereine (insbesondere Vereine, deren Vorläufer im Arbeitersport engagiert waren)
  2. Schulen (zur Durchführung von Schulprojekten)
  3. engagierte Mitarbeiter für die Recherche der Vereinschroniken
  4. engagierte Mitarbeiter für die die Betreuung der einzelnen Veranstaltungen (Auf- und Abbau, Transport, Organisation)
  5. Filmteam zur Dokumentation der Veranstaltungsreihe

Beschreibung:

Friedenskämpfer statt Sportkanonen

Am 30. Juli 1932 kamen 30.000 Arbeiter nicht nur deshalb im Volkspark am Lindener Berg zusammen, um das Fußballspiel zwischen den ATSB-Kickern von Freier Turnerschaft Kleefeld und FSV Wacker, die Darbietungen der Kunstradfahrer und die Laufwettbewerbe zu verfolgen. Es war gleichzeitig auch eine eindrucksvolle Demonstration gegen den heraufziehenden Faschismus und für die Bewahrung einer Arbeiterkultur, die mehr als 40 Jahre gegen die Widerstände des Bürgertums ankämpfen musste, um Wettkampfstätten nutzen und eigene sportliche Wettbewerbe austragen zu können. So begeisterten die Arbeiterolympiaden mit bis zu 25.000 teilnehmenden Athleten die Zuschauer und setzen ein Zeichen für den internationalen Frieden.

Während der bürgerliche Sport mit seiner „The Winner Takes It All“ Ideologie und seiner Heroisierung des Siegers dazu animierte, diesen Sportidolen nachzueifern, lehnte der Arbeitersport jeden Personenkult ab. Im Kampf um Hundertstel Sekunden war der Arbeiter sich selbst und nicht der Mitstreiter der härteste Gegner, denn Geschick, Konzentration und Ausdauer hießen die Waren, mit denen er an seiner Arbeitsstätte Handel treiben musste. Während die bürgerlichen Sportjournale mit Idolen wie Max Schmeling die Sensationslust der Käufer bedienten, konnte man im „Volkswille“ nachlesen, wie „der Rechtsaußen einen gekonnten Pass auf den Mittelläufer“ spielte.

„Mens sana in corpore sana“ – Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Das Ideal des Arbeitersportlers begnügte sich nicht mit Muskelmasse und schnellen Beinen. Es erwartete vom Athleten ebenso sehr politisches Bewusstsein und geistige Bildung. Die Arbeiterkultur setzte sich bewusst von der Vergnügungssucht der bürgerlichen Republik ab.

Am Abend des 30. Juli 1932 fand die letzte große Veranstaltung des Arbeitersports im Lindener Volkspark statt. Noch mochten die wenigsten Zuschauer daran glauben, dass die braunen Horden tatsächlich die Macht erlangen würden. Doch ein halbes Jahr später ernannte Hindenburg Hitler zum Reichskanzler und bereits am 1. April 1933 besetzten SA-Leute in ganz Hannover die Plätze der Arbeitersportler. Die Vereine lösten sich auf oder fusionierten mit bürgerlichen Clubs.

Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Arbeitersport nicht wiederbelebt. Im Gegenteil: Das „Höher – Schneller – Reicher“ des Profisports führte zum Ausverkauf des Olympischen Gedankens an Coca Cola und Nike. Spitzensportler fordern obszön hohe Gehälter. Autokraten und Ölscheichs kaufen sportliche Großwettbewerbe ein, um ihr Ansehen in der Welt zu verbessern. Diese Entwicklung führt zu einer wachsenden Entfremdung der Fans, die sich Auswärtsreisen und Eintrittskarten oftmals vom Munde absparen müssen, um dann auch noch mitzuerleben, wie andere Schlachtenbummler durch rassistische Entgleisungen und Gewaltexzesse auffallen. Ist es an der Zeit, sich auf alte Ideale aus dem Arbeitersport zurückzubesinnen?

Das Freizeitheim schätzt sich glücklich, im September die Wanderausstellung „Der andere Fußball: 100 Jahre Arbeiterfußball – 125 Jahre Arbeitersport“, die bereits in anderen großen Städten auf ein breites Interesse gestoßen ist, präsentieren zu können. Gleichzeitig lädt die Egon Kuhn Geschichtswerkstatt im Freizeitheim Linden e.V. die Besucher ein, in die untergegangene Welt des Lindener Arbeitersports und seiner zahlreichen Vereine einzutauchen. Wie es sich gehört, pilgern wir dafür wieder in das Stadion am Lindener Berg, wo das Programm mit einem Fußball-Freundschaftsspiel zwischen Linden und Hannover eröffnet wird. Neben dem friedlichen Kräftemessen in Form einer Mini-Olympiade des Arbeitersports, zu dessen Teilnahme alle interessierten Vereine während des Ausstellungszeitraums gerne eingeladen sind, steht natürlich auch die geschichtliche politische Bildung auf dem Programm. Wir informieren über die Geschichte des Lindener Arbeitersports und beleuchten dabei auch die tragische Geschichte des Boxers Rukeli Trollmann, der für Sparta Linden angetreten ist, bevor er Profiboxer wurde und schlussendlich im KZ Neuengamme ermordet wurde. Wir werfen aber auch ein Schlaglicht auf aktuelle Themen wie die umstrittene Fußball-Weltmeisterschaft in Qatar und suchen Antworten auf die Frage, wie der Sport der Zukunft aussehen wird und wie er vielleicht aussehen sollte. All diese Veranstaltungen tragen wir im Geiste des Arbeitersports aus und beziehen dabei Stellung für Frieden, Freiheit, Emanzipation und gegen Nationalismus, Rassismus und Faschismus.

Die Egon Kuhn Geschichtswerkstatt im Freizeitheim Linden e.V. freut sich auf Dein Mitwirken!

Ich möchte gerne etwas zu diesem Projekt beitragen >>>


Der bekannte Boxer Rukeli Trollmann (li.) boxte eine Zeitlang für den Arbeitersportverein Sparta Linden


Arbeitersport in Linden

Begleitveranstaltung zur Ausstellung "Der andere Fußball: 100 Jahre Arbeiterfußball" im Freizeitheim Linden

Art der Veranstaltung: Veranstaltungsreihe und Ausstellung:

Zeitraum: 01. - 30. September 2022

Gesucht werden:

  1. Sportvereine (insbesondere Vereine, deren Vorläufer im Arbeitersport engagiert waren)
  2. Schulen (zur Durchführung von Schulprojekten)
  3. engagierte Mitarbeiter für die Recherche der Vereinschroniken
  4. engagierte Mitarbeiter für die die Betreuung der einzelnen Veranstaltungen (Auf- und Abbau, Transport, Organisation)
  5. Filmteam zur Dokumentation der Veranstaltungsreihe

Beschreibung:

Friedenskämpfer statt Sportkanonen

Am 30. Juli 1932 kamen 30.000 Arbeiter nicht nur deshalb im Volkspark am Lindener Berg zusammen, um das Fußballspiel zwischen den ATSB-Kickern von Freier Turnerschaft Kleefeld und FSV Wacker, die Darbietungen der Kunstradfahrer und die Laufwettbewerbe zu verfolgen. Es war gleichzeitig auch eine eindrucksvolle Demonstration gegen den heraufziehenden Faschismus und für die Bewahrung einer Arbeiterkultur, die mehr als 40 Jahre gegen die Widerstände des Bürgertums ankämpfen musste, um Wettkampfstätten nutzen und eigene sportliche Wettbewerbe austragen zu können. So begeisterten die Arbeiterolympiaden mit bis zu 25.000 teilnehmenden Athleten die Zuschauer und setzen ein Zeichen für den internationalen Frieden.

Während der bürgerliche Sport mit seiner „The Winner Takes It All“ Ideologie und seiner Heroisierung des Siegers dazu animierte, diesen Sportidolen nachzueifern, lehnte der Arbeitersport jeden Personenkult ab. Im Kampf um Hundertstel Sekunden war der Arbeiter sich selbst und nicht der Mitstreiter der härteste Gegner, denn Geschick, Konzentration und Ausdauer hießen die Waren, mit denen er an seiner Arbeitsstätte Handel treiben musste. Während die bürgerlichen Sportjournale mit Idolen wie Max Schmeling die Sensationslust der Käufer bedienten, konnte man im „Volkswille“ nachlesen, wie „der Rechtsaußen einen gekonnten Pass auf den Mittelläufer“ spielte.

„Mens sana in corpore sana“ – Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Das Ideal des Arbeitersportlers begnügte sich nicht mit Muskelmasse und schnellen Beinen. Es erwartete vom Athleten ebenso sehr politisches Bewusstsein und geistige Bildung. Die Arbeiterkultur setzte sich bewusst von der Vergnügungssucht der bürgerlichen Republik ab.

Am Abend des 30. Juli 1932 fand die letzte große Veranstaltung des Arbeitersports im Lindener Volkspark statt. Noch mochten die wenigsten Zuschauer daran glauben, dass die braunen Horden tatsächlich die Macht erlangen würden. Doch ein halbes Jahr später ernannte Hindenburg Hitler zum Reichskanzler und bereits am 1. April 1933 besetzten SA-Leute in ganz Hannover die Plätze der Arbeitersportler. Die Vereine lösten sich auf oder fusionierten mit bürgerlichen Clubs.

Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Arbeitersport nicht wiederbelebt. Im Gegenteil: Das „Höher – Schneller – Reicher“ des Profisports führte zum Ausverkauf des Olympischen Gedankens an Coca Cola und Nike. Spitzensportler fordern obszön hohe Gehälter. Autokraten und Ölscheichs kaufen sportliche Großwettbewerbe ein, um ihr Ansehen in der Welt zu verbessern. Diese Entwicklung führt zu einer wachsenden Entfremdung der Fans, die sich Auswärtsreisen und Eintrittskarten oftmals vom Munde absparen müssen, um dann auch noch mitzuerleben, wie andere Schlachtenbummler durch rassistische Entgleisungen und Gewaltexzesse auffallen. Ist es an der Zeit, sich auf alte Ideale aus dem Arbeitersport zurückzubesinnen?

Das Freizeitheim schätzt sich glücklich, im September die Wanderausstellung „Der andere Fußball: 100 Jahre Arbeiterfußball – 125 Jahre Arbeitersport“, die bereits in anderen großen Städten auf ein breites Interesse gestoßen ist, präsentieren zu können. Gleichzeitig lädt die Egon Kuhn Geschichtswerkstatt im Freizeitheim Linden e.V. die Besucher ein, in die untergegangene Welt des Lindener Arbeitersports und seiner zahlreichen Vereine einzutauchen. Wie es sich gehört, pilgern wir dafür wieder in das Stadion am Lindener Berg, wo das Programm mit einem Fußball-Freundschaftsspiel zwischen Linden und Hannover eröffnet wird. Neben dem friedlichen Kräftemessen in Form einer Mini-Olympiade des Arbeitersports, zu dessen Teilnahme alle interessierten Vereine während des Ausstellungszeitraums gerne eingeladen sind, steht natürlich auch die geschichtliche politische Bildung auf dem Programm. Wir informieren über die Geschichte des Lindener Arbeitersports und beleuchten dabei auch die tragische Geschichte des Boxers Rukeli Trollmann, der für Sparta Linden angetreten ist, bevor er Profiboxer wurde und schlussendlich im KZ Neuengamme ermordet wurde. Wir werfen aber auch ein Schlaglicht auf aktuelle Themen wie die umstrittene Fußball-Weltmeisterschaft in Qatar und suchen Antworten auf die Frage, wie der Sport der Zukunft aussehen wird und wie er vielleicht aussehen sollte. All diese Veranstaltungen tragen wir im Geiste des Arbeitersports aus und beziehen dabei Stellung für Frieden, Freiheit, Emanzipation und gegen Nationalismus, Rassismus und Faschismus.

Die Egon Kuhn Geschichtswerkstatt im Freizeitheim Linden e.V. freut sich auf Dein Mitwirken!

Ich möchte gerne etwas zu diesem Projekt beitragen >>>


Der bekannte Boxer Rukeli Trollmann (li.) boxte eine Zeitlang für den Arbeitersportverein Sparta Linden